Deutsch (DE-CH-AT)English (United States)

Der Unterschied zwischen der Lovaas-Methode und dem Verbal Behavior (VB) - Ansatz

 

Über die letzten ungefähr 15 Jahre wurden alle Formen von ABA irrtümlicherweise “Lovaas” genannt. Ein Lovaas-Programm ist aber nichts anderes, als ein spezifischer Einsatz der ABA-Prinzipien.


Durch die Entwicklungen der Wissenschaft, werden Verbesserungen zur Anwendbarkeit von Prinzipien sehr sorgfältig erforscht und in Fachzeitschriften veröffentlicht.


Mit einer großen Zunahme im Interesse und dem Einsatz von Verbal Behavior (VB) als einen Bestandteil in ABA-Programmen, ist es notwendig zu erklären, wie ABA, Lovaas und Verbal Behavior sich unterscheiden und zugleich zusammenhängen.


In der Vergangenheit basierten die meisten ABA-Programme für Kinder mit Autismus auf der Arbeit von Dr. Ivar Lovaas in den 80-iger Jahren. Während dieser Jahre haben sich Jack Michael, PHD., Mark Sundberg, PHD. und James Partington, PHD. darauf spezialisiert, B.F. Skinner’s “Analysis of Verbal Behavior” und die Wirkungen von Sprachkenntnissen zu erforschen. Diese Forschungen haben die heutigen ABA-Programme verbessert, indem der Schwerpunkt auf die wichtigsten Elemente in der Errungenschaft von Sprache gelegt wird, die vorher bei den traditionellen Lovaas-Programmen ignoriert wurden. D.h., dass man die Motivation eines Kindes erobern muss, um eine Verbindung zwischen dem Wert eines Wortes und das Wort selber zu entwickeln.


Während das Lovaas-Modell die angewandte Verhaltensanalyse (ABA) benutzt um Sprache zu unterrichten, welches auf der Idee basiert, dass rezeptive (empfängliche) Sprache vorrangig zur expressiven (ausdrückenden) Sprache entwickelt werden sollte, konzentriert sich der Verbal Behavior-Ansatz als erstes auf das Unterrichten von spezifischen Bestandteilen der expressiven (ausdrückenden) Sprache ( u.a. Mands, Tacts, Intraverbals).


Dieser Bestandteil beginnt mit einem so genannten Mand-Training, welches dem Kind beibringt einen Wunsch/ein Bedürfnis zu äußern, um etwas Begehrenswertes zu bekommen (Gegenstand, Aktivität, Nahrungsmittel, Information, etc.). Deshalb ist es wichtig, dem Kind beizubringen, dass “Wörter” wertvoll sind und sie dahin führen, um ihre Wünsche und Bedürfnisse zu äußern.


Ein anderer Unterschied liegt zwischen dem Schwerpunkt der “Funktion” von Sprache (Verbal Behavior), anstatt der “Form” (Lovaas-Modell).

In einem Verbal Behavior - Programm zum Beispiel, wird einem Kind als erstes beigebracht nach einem Keks zu fragen. In der Form, in der es auch fähig ist (z.B. verbal, durch Zeichensprache (vereinfachte Form von Gebärden), etc.). Es wird dem Kind aber nur dann beigebracht, wenn es auch einen Keks möchte! Das Bedürfnis nach einem Keks wird genutzt, um das Wort (oder Zeichen) für einen Keks zu unterrichten, welches dem Kind dann auch einen Keks bringen wird.

In einem Lovaas basierten ABA-Programm, wird dem Kind zwar beigebracht das Wort “Keks” zu sagen, aber nicht in dem Moment, wenn das Kind auch einen Keks möchte. Stattdessen wird es einfach neben anderen Wörtern gelehrt, die man dem Kind durch Wiederholungen beibringt.


Eines der wichtigsten Hauptideen des Verbal Behavior-Verfahrens ist Folgendes: Die Bedeutung eines Wortes liegt in der Funktion und nicht im eigentlichen Wort. Denn wenn man die Funktion der Sprache nicht berücksichtigt, ist das Kind oft in der Lage Hunderte von Gegenständen zu bezeichnen oder zu identifizieren, aber niemals in funktionalen Wegen oder spontan sich etwas in der natürlichen Umwelt zu wünschen.


Beim Verbal Behavior-Verfahren unterrichtet man jedes Wort oder jeden Gegenstand durch alle funktionalen Verhältnisse zu dem Wort oder Gegenstand.

 

Verbal Behavior - Bezeichnungen

Mand: nach dem fragen, was man möchte

Tact: einen Gegenstand bezeichnen oder beschreiben

Rezeptives Repertoire: nicht verbal Anweisungen befolgen; Bilder und Gegenstände unterscheiden

Imitation: nachahmen, was beobachtet wurde 

Echoic: Stimmenimitation 

Intraverbal: verbal (oder durch Zeichensprache) auf das verbale Verhalten antworten

Textural: lesen

Transcriptive: schreiben

Natürlich kann man all diese Komponenten nicht auf einmal unterrichten. Aber wenn das Kind einige von diesen Fähig- und Fertigkeiten in seinem Repertoire hat, ist es möglich, dass man alle von diesen unterschiedlichen Sprachkomponenten früher als erwartet bildet.

Beim traditionellen Lovaas-Modell ist das Konzept von “Keks” gemeistert, wenn das Kind zu einem Keks zeigen kann und Keks sagt, wenn ein Keks gezeigt wird. 
Beim Verbal Behavior-Modell ist das Konzept “Keks” erst dann gemeistert, wenn das Kind die folgenden Dinge beherrscht: 

- nach einem Keks fragen, wenn es einen Keks möchte (Mand)
- den Keks wählen, wenn danach gefragt wird (rezeptiv)
- einen Keks wählen, wenn gefragt wird:

o Was isst du? (Funktion)
o Was hat Schokoladenstreusel? (Merkmal)
o Wo ist das Essen? (Kategorie)

- fragen über einen Keks beantworten, auch wenn gerade keiner vorhanden ist (Intraverbals):

o Was würdest du gerne essen? 
o Was hat Schokoladenstreusel?
o Was ist rund/süß?

Fazit:
Das traditionelle Lovaas-Programm und der Verbal Behavior-Ansatz sind zwei verschiedene Methoden, die Prinzipien von ABA benutzen, um das Leben von Kindern mit Autismus zu verbessern. 

Obwohl es Lovaas-Programme am Längsten gibt, wechseln immer mehr Leute zu ABA-Programmen mit Schwerpunkt auf Verbal Behavior, da es zu traditionellen ABA-Programmen die Fähigkeit besitzt, noch offen stehende Lücken zu füllen. (
www.theraceschool.org)

Eine jüngste amerikanische Internet-Studie wurde durchgeführt, um herauszufinden, was für Interventionen am Effektivsten sind, um autistischen und anderen Kindern mit Behinderungen zu helfen. 72 Kinder haben unterschiedliche Therapien erhalten, wie z.B. Sensory Integration, Occupational Therapy, Speech, Special Diets (GFCF, Feingold, etc.), Vitamins, Pecs, Secretion, Floortime/Greenspan, Digestive Enzymes und Paxi. Den Untersuchungen zu Folge war ABA/Verbal Behavior bei weitem die wirksamste Intervention. Keine der anderen Therapien hat auch nur annähernd vergleichbare Erfolge erzielt.